Erster Auswärtssieg beim Aufsteiger Keltern

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Ein kleines Stück Erstliga-Geschichte: Zum ersten Mal zeigt die Anzeigetafel in der Speiterlinghalle die Gäste als Sieger an. Und die kamen aus Marburg. (Foto: Marcus Richter)

Premiere mit Premiere

Planet-Cards-DBBL: Rutronik Stars Keltern – BC Pharmaserv Marburg 45:66.

Der BC Pharmaserv Marburg hat die Bundesliga-Hinrunde mit einem Erfolgserlebnis abgeschlossen und geht mit sieben Siegen aus elf Spielen als Tabellenfünfter in die zweite Saisonhälfte.

Zum ersten Mal reisten die Hessinnen nach Keltern. Die Speiterlinghalle glich bislang einer uneinnehmbaren Festung. Halle, Saarlouis, Osnabrück, Rotenburg und Herne – sie alle hatten sich am heimstarken Aufsteiger die Zähne ausgebissen. Die erste Niederlage überhaupt hatten die Rutronik Stars erst vor Wochenfrist vom Tabellenführer kassiert.

Die Marburgerinnen zeigten von Beginn an, dass sie sich nicht in die Reihe der Punktelieferanten ans Schulzentrum Dietlingen fügen wollten. „Spanien-Sonnenschein“ Patricia Benet und  „Duracell-Häschen“ Julia Gaudermann störten früh den Spielaufbau der Gastgeberinnen. Für die 15 mitgereisten BC-Anhänger eine echte „Gaudi“!

Das Pharmaserv-Team wirkte aufmerksamer. Verbuchte viele Ballgewinne und Rebounds – auch wenn die nicht alle im Scouting auftauchen. Ein bisschen spielte der statistisch zweitbesten Defense auch die schwache Kelterner Trefferquote in die Hände. Fast alle Sterne-Spielerinnen blieben deutlich unter ihrem Punkteschnitt.

Dagegen freuten sich gleich vier Marburgerinnen über eine zweistellige Ausbeute. Svenja Greunke (13 Punkte) erreichte dabei ein inoffizielles Double-Double. „In unserer internen Statistik haben wir elf Rebounds gezählt“, lobte BC-Trainer Patrick Unger die Topscorerin der Partie.

Lagen die Gäste beim 26:8 nach neun Minuten noch auf Hunderterkurs, folgte ein offensives Viertel zum Vergessen. Die BC-Verteidigung stand gut. Doch im Abschluss haperte es. Keltern kämpfte sich mit der Halbzeitsirene auf 21:30 heran.

Finja Schaake vergrößerte nach dem Seitenwechsel schnell das Polster auf 36:23 (22.) und Katlyn Yohn sorgte im Schlussabschnitt mit acht Zählern zum 52:34 (33.) für die Entscheidung. In den letzten Minuten schickte Unger alle seine nationalen Kräfte aufs Feld.

Birte Thimm (BC-Kapitänin):
„Wir waren von Anfang an heiß und wollten unbedingt das erste Team sein, das hier gewinnt. Wir haben alle unglaublich gekämpft und gut rotiert. Wichtig war, wie wir aus der Halbzeit rausgekommen sind. Wir haben nicht nachgelassen und mit viel Emotion gespielt.“

Patrick Unger (BC-Trainer):
„Wir hatten natürlich ein bisschen Glück, dass Keltern heute eine schwache Trefferquote hatte. Aber wir haben fast 40 Minuten lang so verteidigt, wie wir es uns vorgenommen hatten. Das war der Schlüssel. Nach dem guten Start waren wir uns vielleicht zu sicher und haben im zweiten Viertel offensiv nicht das gespielt, was wir wollten. Das darf nicht passieren. Wir haben in der Kabine gesagt, dass wir nicht nachlassen dürfen. Dann haben wir kühlen Kopf behalten und wieder unseren Rhythmus gefunden.“

Fun Facts: Die allererste Mannschaft, die ein Erstliga-Spiel bei den Rutronik Stars Keltern gewinnt, heißt BC Pharmaserv Marburg! 66:45 ist das häufigste Ergebnis der Marburgerinnen seit dem Wiederaufstieg 1992 – im 300. Bundesliga-Auswärtsspiel. Zum fünften Mal gewannen die Hessinnen so, drei Mal davon auswärts. Finja Schaake erzielte ihren 1000. Karriere-Punkt in der Hauptrunde.

Fail Fact: Vier erzielte Punkte in einem Viertel sind Einstellung des Marburger Minusrekords für dieses Jahr. Am 25. Januar in Nördlingen war es beim 4:21 auch das Zweite. Das Spiel damals ging allerdings verloren.

Randnotiz: Es gibt offensichtlich Gesprächsbedarf in der Frage, ob Zuschauer gegnerische Freiwürfe durch Lärm stören dürfen und sollten, und ob dazu durchs Hallenmikrofon aufgerufen werden darf.

Statistik
Viertel: 11:25, 10:4, 11:13, 13:23.
Keltern: Ciappina 7/1, Elbert 2, Guay 6 (4 Steals), Hjelle 6 (12 Rebounds), Kammer, Mahlknecht 6, Matic 5, Mendy 9/1, Prötzig 4, Schüler.
Feldwürfe 28 Prozent (16/57), Freiw. 52 Prozent (11/21), Reb. 22 (def. 17), Turnovers 14, Assists 7, 11 St., Fouls 17.
Marburg: Baker 11/1, Benet, Gaudermann 4, Greunke 13/1 (6 Reb.), Köppl 2, Lee 8/1, Schaake 12, Thimm 6 (7 Reb., 3 Ass.), Winterhoff, Yohn 10/2 (3 St.).
Feldw. 41 Prozent (26/63), Freiw. 60 Prozent (9/15), Reb. 30 (d. 22), TO 17, Ass. 6, St. 10, F. 19.
Schiedsrichter: Matthias Wipfler, Mesut Aydogdu. Zuschauer: 200.

(von Marcus Richter)