BC Marburg fährt als Außenseiter zum Pokal-Top-4 in Berlin

BC Marburg fährt als Außenseiter zum Pokal-Top-4 in Berlin
Die Blue Dolphins Marburg um Marianna Byvatov (von links), Lea Debeljak, Mia Heide, Allyson Fertig (hinten) und Sara Guerreiro spielt am 28. Februar und 1. März in Berlin um den Pokal der Damen Basketball-Bundesliga. Foto: Stefan Tschersich
Die Blue Dolphins Marburg um Marianna Byvatov (von links), Lea Debeljak, Mia Heide, Allyson Fertig (hinten) und Sara Guerreiro spielt am 28. Februar und 1. März in Berlin um den Pokal der Damen Basketball-Bundesliga. Foto: Stefan Tschersich

Blue Dolphins machen Jammerfasten

Toyota Damen Basketball Bundesliga, Pokal-Top-4:
Halbfinals: Alba Berlin – Saarlouis Royals
BC Marburg – Rutronik Stars Keltern
(Samstag/Sonntag, 28.02./01.03.2026, Sporthalle Charlottenburg)

Der BC Marburg hat erstmals seit 2019 das Top-4-Turnier um den Pokal der Toyota Damen Basketball Bundesligen erreicht. Das wird am Wochenende 28. Februar und 1. März in Berlin ausgetragen. Halbfinals und die Spiele um Bronze und Gold werden allesamt in der Sporthalle Charlottenburg ausgespielt. Die Konkurrenz ist hochkarätig, und so gehen Blue Dolphins als Außenseiter ins Rennen.

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ So verabschiedeten die Marburger Fans ihre Blue Dolphins am vergangenen Samstag nach der bitteren 70:76-Heimniederlage in der Bundesliga gegen den (jetzt) Tabellenvierten aus Osnabrück. Bei den männlichen Fußballern schon längst Tradition, bei den Basketballerinnen zum zweiten Mal in Folge, findet das Pokalfinale in der Hauptstadt statt.

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Den Pott holte der BC Marburg genau ein Mal: am 23. März 2003. Seitdem wurde das gute Stück mehrfach ausgetauscht, hat inzwischen ein anderes Design, so dass die Fingerabdrücke der Marburger Pokal-Heldinnen von damals – Kelli Kreuser traf in Dorsten gegen den Gastgeber 1,3 Sekunden vor Schluss den entscheidenden Sprungwurf von der linken Ecke der Freiwurflinie zum 66:64 – auf dem aktuellen Objekt der Begierde auch vom CSI Hagen nicht mehr zu finden wären.

Damals gingen die Marburgerinnen als Mitfavoritinnen in die Pokal-Endrunde, lagen in der (damals, anders als heute abgeschlossenen) Bundesliga-Hauptrunde auf Platz zwei, und der Spitzenreiter hatte sich nicht fürs Top-4 qualifiziert. Das ist heute ganz anders: Im Halbfinale treffen die Blue Dolphins (Bilanz in der Liga bisher 11:9 / Platz 5) auf den Deutschen Meister und aktuellen Ligaprimus Rutronik Stars Keltern (19:1), der seit dem ersten(!) Spieltag, also seit fünf Monaten auf nationalem Parkett nicht mehr verloren hat. Im anderen Halbfinale stehen sich Pokalverteidiger, Vizemeister und Tabellenzweiter (14:6) Saarlouis Royals und Ausrichter Alba Berlin (11:9 / 6) gegenüber.

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Berlin liegt aber in der Liga nur wegen einer Spielverlustwertung hinter den Hessinnen, die beiden direkten Duelle hat der Meister von 2024 gewonnen. Und wem das noch nicht als Grund für die Underdog-Rolle reicht: Die Marburgerinnen haben gegen Keltern die letzten 18 Spiele verloren (bisher letzter Sieg am 06.01.2019), gegen Saarlouis die letzten 9 (nach dem 16.01.2022) und gegen Berlin alle bisherigen 8 Aufeinandertreffen.

Realistisch gesehen, reist der BC als Außenseiter an die Spree. Doch in Marburg setzt man pünktlich zur Reise in die Hauptstadt auf einen neuen Trend: Jammerfasten. Also aufhören zu jammern und alles positiv sehen! Los geht’s: Jedes Spiel muss erst gespielt werden. Ein Spiel dauert 40 Minuten. Wir wollen die Großen ärgern. Hinten raus musst du stark sein. Und natürlich der Klassiker: Der Pokal hat seine eigenen … Ihr wisst schon!

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Auch schön: Beim Top-4 gibt es ein Wiedersehen mit ehemaligen Marburgerinnen: Die Alexe Kiss-Rusk und Wilke bei Keltern, Maggy Meynadier mit Saarlouis sowie Marie Bertholdt und Theresa Simon bei Berlin. Überdies tritt die Neu-Marburgerin Nafi Harz in der Halle an, in der sie vor knapp zwei Jahren Deutsche Meisterin wurde – als Albatros(sin). Vom Feeling her ein gutes Gefühl!

Und: Die Blue Dolphins sowie ihre Fans haben sich das Top-4 einfach mal wieder verdient! Elf Bundesliga-Siege in dieser Spielzeit sind die meisten seit 2022. Sie haben mehrfach gegen die Spitzenteams phasenweise mehr als gut mitgehalten und dabei beide Spiele gegen den Tabellendritten Hannover gewonnen. Sie haben in mehreren Partien Kampfgeist und Nervenstärke gezeigt und ihre Fans begeistert: zuletzt vorigen Samstag (da leider ohne ultimative Belohnung).

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Die Tendenz macht Marburg Mut. In dieser Saison gingen beide (bisherigen) Spiele gegen Keltern nur mit -12 und -11 aus – die fünf Duelle davor endeten mit -19 bis -29. Gegen Saarlouis ging das Heimspiel nur mit -4 aus. In Berlin verloren die Blue Dolphins erst in der Verlängerung. Da ist jetzt mal jemand reif!

Am vergangenen Bundesliga-Spieltag tat sich Keltern beim Tabellenvorletzten Nördlingen schwer (78:69), Berlin hatte daheim gegen den MBC aus Halle beim 75:65 lange Probleme und Saarlouis verlor sogar beim Schlusslicht Freiburg. Die Hessinnen haben jetzt schon beide Saisonziele erreicht: die Playoffs sowie das Top-4 – und gehen als einziges der vier Teams ganz ohne Druck an den Start.

Bamberg? Finden wir gut!

Und noch ein Blick zu den Herren: Am vorigen Wochenende holte sich dort Bamberg den Pokal. Im Halbfinale hatten sie den Deutschen Meister Bayern München ausgeschaltet und im Finale Alba Berlin besiegt. Und das, wie das ZDF-Sportstudio auf seinem Instagram-Kanal mitteilt, mit einem Drittel des Budgets von Alba und einem Zwölftel von dem der Bayern …

Also: Wir haben keine Chance, und die wollen wir nutzen!

 

José Araújo (Trainer Marburg):

„Diese Woche ist schon anders: Wir alle freuen uns auf das Top-4, versuchen uns aber gleichzeitig bestmöglich darauf vorzubereiten. Es gibt viele Trainer und Spielerinnen, die nie ein Top-4 erleben, und daher wollen wir jede Sekunde genießen. Aber wir fahren nicht zum Urlaubmachen nach Berlin. Auf der anderen Seite sind wir auch nicht verrückt oder dumm: Es ist keine Frage, dass unser Halbfinalgegner Keltern das dominante Team der vergangenen Jahre in Deutschland ist. Das haben sie jeden Spieltag in der Liga und auch im Eurocup bewiesen. Gegen sie zu spielen, ist eine riesige Herausforderung, aber das ist ein Top-4 immer. Und ich erwarte, dass wir mit der Einstellung ins Spiel gehen, alles zu geben, um Keltern zu schlagen. Ansonsten bräuchten wir gar nicht anzutreten. Der volle Fokus des Teams liegt auf Samstag. Aber natürlich bereiten wir im Trainer-Team schon Dinge für beide möglichen Gegner am Sonntag vor, damit wir alles parat haben. Ich wünsche mir, dass auch unsere Fans das Top-4 genießen. Sie geben uns immer so viel Unterstützung, und ich würde gerne viele von ihnen in Berlin sehen. Wir wollen ihnen wieder beweisen, dass wir ein Team sind, das nie aufgibt, so dass sie am Ende zufrieden sind.“

(von Marcus Richter)

 

Spielpaarungen

Samstag, 28. Februar:

Halbfinale 1: 15 Uhr: Saarlouis Royals – Alba Berlin (Stream / Statistik)

Halbfinale 2: 18 Uhr: BC Marburg – Rutronik Stars Keltern (Stream / Statistik)

 

Sonntag, 1. März:

Spiel um Bronze: 13 Uhr

Pokalfinale: 16 Uhr