Playoff-Viertelfinale: BC Marburg gewinnt Heimspiel gegen die Saarlouis Royals

Playoff-Viertelfinale: BC Marburg gewinnt Heimspiel gegen die Saarlouis Royals
Freudentränen nach der Schlusssirene. Marburg gewinnt zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren wieder ein Playoff-Spiel. Foto: Stefan Tschersich
Freudentränen nach der Schlusssirene. Marburg gewinnt zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren wieder ein Playoff-Spiel. Foto: Stefan Tschersich

 

Irre Aufholjagd: Blue Dolphins erzwingen Entscheidungsspiel

Toyota 1. Damen Basketball Bundesliga,
Playoff-Viertelfinale (best of three), Spiel 2:
BC Marburg – Saarlouis Royals 84:80 (41:48 / Serie 1:1).

Toyota 1. Damen Basketball Bundesliga,
Playoff-Viertelfinale (best of three), Spiel 3:
Saarlouis Royals – BC Marburg (Ostermontag, 6. April, 17 Uhr, Stadtgartenhalle).

Der BC Marburg hat sein Playoff-Heimspiel gegen die favorisierten Saarlouis Royals mit 84:80 gewonnen. Durch eine bravouröse Aufholjagd in Spiel 2 der Viertelfinal-Serie im Modus „best of three“ in der Toyota 1. Damen Basketball Bundesliga erzwangen die Blue Dolphins ein Entscheidungsspiel um den Einzug ins Halbfinale. Das steigt schon am Ostermontag, 17 Uhr, in der Stadtgartenhalle in Saarlouis. Topscorerin der Partie am Karsamstag, 4. April, war die Saarlouiserin Martha Burse (20 Punkte / 1 Dreier / 7 Assists). Erfolgreichste Punktesammlerin für Marburg war Greta Kampschroeder (15/2). Zur „ETL ADVISA Spielerin des Tages“ wurde Lea Debeljak gewählt.

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Wahnsinn! Die Blue Dolphins feiern Ostern als Playoff-Team! Nach der 66:79-Niederlage in Spiel 1 bei den an Nummer 2 gesetzten Royals mussten die Hessinnen gewinnen, um nicht auszuscheiden. 14 Minuten vor Schluss lagen sie mit 14 Punkten zurück – und drehten das Ding. Und das alles erneut ohne ihre etatmäßige Kapitänin: Mia Heide war mit starken Rückenbeschwerden schon für die beiden vorangegangenen Partien ausgefallen.

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Allyson Fertig als einzige Große ackerte erneut unter dem Korb für zwei, holte ein Double-Double (11 Punkte / 12 Rebounds). Co-Kapitänin Marianna Byvatov führte ihr Team als Kämpferin an, erzielte sechs der letzten acht Punkte. Alle Marburgerinnen auf dem Feld und auf der Bank gaben alles. Und die gut 400 Zuschauer nahmen sich das Rebellen-Motto aus dem Star-Wars-Film „Rogue One“ zu Herzen: „Lasst 10 von uns wie 100 wirken“ – und schrien für 4.000. Irre Leistung. Irre Stimmung. Irre Emotionen.

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So sagte Marburgs Trainer José Araújo, nachdem er sich gefasst hatte: „Auch wenn es nicht mit dem Sieg geklappt hätte, mit dieser Leistung wäre ich nicht weniger stolz auf meine Spielerinnen gewesen als mit dem Sieg.“ Da sprach er sicher allen Blue-Dolphins-Fans aus der Seele.

Vor der Partie hatten Byvatov und Heide den scheidenden Teammanager Stefan Gnau verabschiedet, mit einem gerahmten und vom Team signierten Trikot. Dann legten die Blauen Delfine los: 7:0 (3. Minute) und 11:3 (5.). Doch Saarlouis glich aus (18:18, 8.). Beim 20:18 führten die Hessinnen nochmal. Dann beendeten die Gäste das Viertel mit drei Dreiern und einer 27:21-Führung – und legten nach Wiederbeginn einen Distanzwurf nach: 30:21 (11.).

Die Kapitännen Mia Heide (links) und Marianna Byvatov verabschieden Teammanager Stefan Gnau. Foto: Stefan Tschersich

Marburg mit Kampfgeist (33:33, 16.), aber Saarlouis mit besserem Finish (46:35, 18.) und einem Buzzerbeater-Dreier zur Halbzeitpause: Elina Koskimies drückte mit der Sirene ab: 51:41 – doch nach Beratung entschieden die Schiedsrichter: Der Wurf war zu spät. Puh! Glück gehabt: Nur 48:41.

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Dann griff Saarlouis in die Zauberkiste: Ex-Marburgerin Maggy Meynadier rettete einen Ball gerade so vor dem Aus, schaufelte ihn irgendwie zu Jordyn Jenkins, die frei zum 62:48 vollendete. 14:25 Minuten waren da noch zu spielen. Die Marburgerinnen steckten nicht auf. Das Publikum half. Und der Rückstand schmolz. Allerdings hatte Saarlouis immer eine Antwort: 71:61 durch Dreier Koskimies (31.). 74:64 Dreier Burse (32.). Meynadier mit einem irren Hakenwurf mit der Shotclock-Sirene zum 76:68 (34.)

Als Jenkins bei 4:27 Minuten auf der Uhr bei einem And-one den Freiwurf verwarf, lagen die Königlichen noch mit 80:73 vorne. Und niemand ahnte, dass das die letzten Gäste-Punkte bleiben sollten. Und auf der anderen Seite: Dreier Kampschroeder zum 76:80 (37.). Steal Sara Guerreiro auf Byvatov auf Debeljak auf Byvatov zum 78:80 bei noch 95 Sekunden. Zwei Freiwürfe Kampschroeder zum 80:80 mit 62 Sekunden.

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Guerreiro tippt Burse den Ball weg zu Byvatov: 82:80 mit noch 21,2 Sekunden. Saarlouis verwirft bei 7,3 Sekunden noch einen Freiwurf. Saarlouis‘ Dreierversuch verfehlt, Byvatov holt den Rebound, wird gefoult, macht die zwei Freiwürfe – und kann mit der Schlusssirene ihre Tränen nicht zurückhalten. Da war die 20-jährige beste Nachwuchsspielerin der Liga nicht die einzige.

Die Entscheidung über den Halbfinaleinzug fällt also erst am Ostermontag in Saarlouis. Dass sich die Blue Dolphins von so ziemlich jedem Rückstand zurückkämpfen können, haben sie in dieser Saison vielfach bewiesen. Auch gegen Spitzenteams. Dass sie auch auswärts große Unterstützung durch ihre Fans haben, ist auch gesetzt. Die Frage wird sein: Können sie binnen fünf Tagen zum dritten Mal einen solchen Kraftakt schultern? Der Traum vom Halbfinale lebt jedenfalls. Und Lea Debeljak signalisierte noch in der Jubeltraube nach dem Spiel: „One more!“ – „Noch eins!“

José Araújo (Trainer Marburg):

„Ich bin so stolz auf das Team! Wie es die ganze Saison arbeitet, wie es kämpft, wie es guten Basketball spielt. Wir waren wieder wir selbst. Ich freue mich so für die Spielerinnen, für Stefan [Gnau], für alle, die uns so sehr unterstützen. Saarlouis hat großartige Spielerinnen, die jeden Fehler bestrafen. In so einem Spiel muss man aufpassen, dass die Emotionen nicht übernehmen, sondern man kühlen Kopf behält. Alle haben so engagiert gespielt, das hat so viel Spaß gemacht, sie zu coachen. Jetzt bereiten wir uns auf Montag vor. Das wird wieder ein hartes Spiel. Und wir wollen wieder mutig mit Herz und Seele spielen.“

Jessika Schiffer (Nationalspielerin, Saarlouis):

„Das war ein anstrengendes Spiel. Es ist am Ende nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgenommen hatten. Es war ein emotional aufgeladenes Spiel durch viele Pfiffe, da ist Marburg besser mit zurechtgekommen. Aber wir müssen das in den letzten zwei Minuten besser machen. Jetzt haben wir nur einen Tag Pause und dann wollen wir am Montag Vollgas geben und den Sieg holen!“

 

Statistik:

VIERTEL: 21:27, 20:21, 18:20, 25:12.

MARBURG: Marianna Byvatov (8 Punkte), Lea Debeljak (13 / 2 Dreier), Allyson Fertig (11), Sara Guerreiro (7/1), Nafi Harz (n. e.), Caitlyn Jones (12/1), Greta Kampschroeder (15/2), Lia Kentzler (8), Lucy Michel (n. e.), Ana Raimundo (10/1).

SAARLOUIS: Hannah Biwersi (n. e.), Martha Burse (20/1), Emma Eichmeyer (12/1), Jordyn Jenkins (10), Elina Koskimies (9/3), Roosa Lehtoranta (3/1), Nogaye Lo Sylla (n. e.), Magaly Meynadier (4), Jessika Schiffer (6/2), Brynn Shoup-Hill (7/1), Marie Simon (n. e.), Egle Zabotkaite (9/3).

SR: Sebastian Harth, Holger Lohmüller, Sofia Englisch; TK: Christian Eichhorn. Z: 422.

 

Fun Facts:

Marburgs erster Sieg gegen Saarlouis in der Liga seit 16.01.2022 (71:65 auswärts) und daheim seit 24.10.2020 (76:55, erstes Spiel der Corona-Saison). / Marburgs erstes Playoff-Heimspiel und erster Playoff-Sieg seit 01.04.2022 (95:82-Sieg gegen Freiburg im Philippinum) und erster Sieg in der Georg-Gaßmann-Halle seit 22.04.2021 (82:41-Sieg gegen Herne im Spiel um Bronze). / Marburg gewinnt ein Playoff-Spiel zum dritten Mal mit nur einem gewonnenen Viertel (diesmal das vierte), jedes Mal ein Heimspiel gegen Saarlouis (26.03.2005; 54:52; Spiel 1 / 17.04.2011; 76:72; Rückspiel um Bronze / damals jeweils das erste Viertel). / Marburg dreht erst zum vierten Mal einen 9-Punkte-Rückstand oder mehr nach drei Vierteln in einen Sieg (zuletzt: 11.10.2025; 72:69-Sieg in Herne nach 52:61), zum ersten Mal zwei Mal in einer Saison, und zum ersten Mal in einem Playoff- oder Pokalspiel. / Mit 164 Zählern punktreichstes Playoff-Spiel in der Georg-Gaßmann-Halle seit 29.03.2009 (166 Punkte; 90:76-Sieg gegen SV Halle, VF-Spiel 2/3). / Erster Marburger Sieg trotz 80 zugelassener Punkte seit 09.12.2023 (84:81-Heimsieg gegen Freiburg). / 75. Marburger Sieg in der Post Season (Playoffs plus Abstiegsrunde) seit dem Wiederaufstieg 1992 (146 Spiele, 1 Unentschieden, 70 Niederlagen).

Fail Facts:

Marburg lässt im zweiten Playoff-Heimspiel hintereinander in drei Vierteln je mindestens 20 Punkte zu (01.04.2022; 95:82-Heimsieg gegen Freiburg).

 

(von Marcus Richter)

 

Nächste Spiele (Playoff-Viertelfinale):

Spiel 1: Saarlouis – Marburg 79:66 (Serie 1:0)

Spiel 2: Marburg – Saarlouis 84:80 (Serie 1:1)

Spiel 3: Ostermontag, 6. April, 17 Uhr: Auswärtsspiel in Saarlouis (Tickets hier)

 

Playoffs:

Viertelfinale (best of three, 1./2. April, 4. April, 6. April):

(Plätze 1 – 8): Rutronik Stars Keltern 72:42 / 78:79 – Herner TC (Serie 1:1)

(2 – 7) Saarlouis Royals – 79:66 / 80:84 – BC Marburg (Serie 1:1)

(3 – 6) TK Hannover Luchse – 56:76 Syntainics MBC (Serie 0:1)

(4 – 5) Alba Berlin – 56:40 / 74:47 – Giro-Live Panthers Osnabrück (Serie 2:0).

 

 

Halbfinale (best of five, ab 10. April):

Sieger (Keltern – Herne) – Berlin

Sieger (Saarlouis – Marburg) – Sieger (Hannover – Halle).