BC Pharmaserv Marburg unterliegt Tabellenzweiten Alba Berlin nach hartem Kampf

Marburgs Regan Schenck (am Ball gegen Berlins Ex-Marburgerin Theresa Simon, rechts) wurde zur Spielerin des Tages gewählt. Foto: Stefan Tschersich

Bravouröse Leistung wieder nicht belohnt

Toyota 1. Damen Basketball Bundesliga,
BC Pharmaserv Marburg – Alba Berlin 70:73 (37:37).

Die Playoffs um die Deutsche Meisterschaft finden in diesem Jahr ohne den BC Pharmaserv Marburg (Bilanz 6:15) statt. Das steht nach der unglücklichen 70:73-Heimniederlage gegen den Tabellenzweiten Alba Berlin (18:3) fest. Die Abstiegsfrage ist dagegen auf den letzten Spieltag vertagt. Ein Sieg in Freiburg (8:13, Platz 7) würde Marburg reichen, egal, was die Konkurrenz macht.

Zur Spielerin des Tages im letzten Heimspiel der Saison wurde Regan Schenck gewählt, Topscorerinnen waren Deeshyra Thomas (21 Punkte) für Berlin und Julia Chandler (14) für den Gastgeber.

„Das war eine bravouröse Leistung, kämpferisch stark, spielerisch über weite Strecken sehr gut. Am Ende hat ein bisschen das Glück und die Abgezocktheit gefehlt.“ Das sagte über das Pharmaserv-Team jemand, der es wissen muss: Rene Spandauw. Basketball-Fachmann. Als Trainer unter anderem zweifacher Deutscher Meister und dreifacher Pokalsieger – und in Marburg Kommentator am Livestream.

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Hessens einziger Erstligist im Damen-Basketball zeigte vom Sprungball an, dass er nicht nur gewillt war, seinem treuen Publikum – 845 Zuschauer sind deutlicher Saisonrekord in der Georg-Gaßmann-Halle – endlich wieder einen Sieg zu schenken. Auch um die Mini-Chance auf die Playoffs und vor allem die Ausgangposition gegen den Abstieg kämpften die Marburgerinnen verbissen. In einigen Situationen wollten sie allerdings zu viel und leisteten sich Flüchtigkeitsfehler.

Dennoch erarbeiteten sie sich in den ersten zehn Minuten eine 18:15-Führung. Angetrieben von den Fans – O-Ton Patrick Unger: „Diese Kulisse heute war unglaublich geil“ – erkämpften und vor allem erspielten sich die Marburgerinnen eine 36:24-Führung, drei Minuten vor Ende der ersten Halbzeit.

Marburg kämpft sich von 46:55 auf 64:59 zurück

Bis zu dieser verkürzten die Gäste aber auf 37:38 und gingen nach dem Seitenwechsel seit dem 14:13 (8. Minute) erstmals wieder in Führung (39:38, 21.). Bis auf 55:46 baute der Tabellenzweite seinen Vorsprung aus, weniger als drei Minuten vor Ende des dritten Viertels. 14 ihrer 26 Ballverluste hatte sich der BC in den beiden mittleren Spielperioden geleistet.

Doch Aufgeben ist nicht! Bis zur letzten Pause verkürzte die Hessinnen um vier Zähler, ehe der große Auftritt der Camila Martinez kam: Die Schweizer Nationalspielerin erzielte alle ihre neun Punkte in den ersten zweieinhalb Minuten des Schlussdurchgangs und schloss mit dem 64:61 einen 13:0-Lauf der Heimmannschaft ab.

Videobeweis: Als Camila Martinez (unten) den Ball noch in Händen hält, leuchtet die Lichtleiste oben hinterm Brett schon auf, das Zeichen für die abgelaufene Angriffszeit.

Martinez‘ Dreier zum möglichen 67:61 (35.) wurde aberkannt, weil er – das bestätigen die Videobilder – erst nach Ablauf der 24 Sekunden Angriffszeit abgedrückt wurde. Dennoch lagen die Einheimischen noch vorn: 66:63 (36. Minute) und 68:66 bei noch knapp drei Minuten auf der Uhr.

Dann wurde es wild. Beide Teams vergaben Chancen, leisteten sich unnötige Fouls. Nach einem Marburger Offensivfoul beschwerte sich Trainer Patrick Unger zu heftig und flog mit seinem zweiten Technischen Foul aus der Halle. Assistenztrainer Tim Michel übernahm.

Genau 90 Sekunden vor dem Ende brachte Thomas ihre Berlinerinnen wieder in Führung (70:68). Michaela VanderKlugt verkürzte bei 58 Sekunden auf 70:71. Nach dem 73:70 für Berlin (49 Sekunden) leistete sich Marburg noch ein Offensivfoul. Und doch wäre die Verlängerung möglich gewesen: Doch acht Sekunden vor Schluss ging der Ball bei einer überhasteten Aktion verloren.

Bildergalerie (Stefan Tschersich)

Während Berlin nun nächste Woche in eigener Halle ein „Endspiel“ gegen Spitzenreiter Keltern um den ersten Platz der Setzliste für die Playoffs hat, heißt es für das Pharmaserv beim Thema Klassenerhalt: in Freiburg gewinnen – oder Saarlouis in Herne die Daumen drücken.

Vor der Partie hatte der BC zwei Berlinerinnen verabschiedet, die vor einem Jahr noch das Marburger Trikot trugen: Marie Bertholdt (2017 bis 2023, 157 Pflichtspiele, Foto hier) und Theresa Simon (2019 bis 2023, 105 Pflichtspiele, Foto hier). Letztere wurde zusätzlich für die erstmals gelungene Olympia-Qualifikation mit der deutschen Nationalmannschaft geehrt. In der Halbzeitpause bekam die Marburger 1. Herrenmannschaft (Foto hier) ihren verdienten Applaus: für die vorzeitig gewonnene Meisterschaft in der Landesliga Nord – nach 17 von 18 Spieltagen noch ohne Niederlage.

 

Patrick Unger (Trainer Marburg):
„Es ist schade. Wir haben wieder gegen ein Top-Team vieles richtig gemacht, aber am Ende fehlt uns ein bisschen Erfahrung. Und dann hab ich meinem Team natürlich eine Bärendienst erwiesen, als ich aus der Halle musste. Wir hatten wieder viele gute Würfe und kriegen sie wieder nicht in den Korb. Wir hätten am Anfang auch höher führen können. Als wir im dritten Viertel wieder aggressiver waren, haben wir auch wieder besser getroffen und besser gereboundet. Wir haben heute alles reingehauen, was wir hatten. Wir wollen auf keinen Fall absteigen. Das hat man gesehen. Sonst hätten wir diese Leitung nicht gebracht. Das Gute ist: Wir haben alles in der eigenen Hand.“

Marie Bertholdt (Spielerin Berlin, 2017 bis 2023 Marburg):
„Wir hatten ein taffes Spiel erwartet, und das war es auch. Wir wussten, dass Marburg eine gute Mannschaft hat, es war ja inklusive der Vorbereitung unser viertes Spiel gegen sie. Sie sind physisch stark, brauchten den Sieg und haben das Publikum im Rücken. Natürlich schlägt mein Herz noch ein bisschen für Marburg, das geht nach sechs Jahren hier auch gar nicht anders. Aber während des Spiels denke ich da nicht dran. Das war sicher nicht unser bestes Spiel. Entscheidend war, dass wir mehr Erfahrung haben, und wenn wir wechseln, kommen gleich Leute nach, und das gibt uns Konstanz. So ein knappes Spiel hatten wir länger nicht, daher war es gut für uns als Vorbereitung auf die nächsten Spiele: gegen Keltern, dann das Top-Four und dann die Playoffs.“

 

Statistik:

Viertel: 18:15, 20:22, 17:22, 15:14.

Marburg: Marianna Byvatov 3 Punkte, Julia Chandler 14, Rachel Clet 4 (3 Steals), Lena Dziuba 5/1 (3 Ass.), Maura Fitzpatrick 6/1, Camila Martinez 9/1, Magaly Meynadier 6 (10 Rebounds), Katharina Quapil, Regan Schenck 11/1 (5 Reb., 5 Ass.), Michaela VanderKlugt 12/1 (5 Reb., 4 Ass.).

Berlin: Margaret Mulligan 6, Stefanie Grigoleit 12, Theresa Simon 4, Marie Bertholdt 10/2, Leoni Kreyenfeld 5, Henriette Höfermann 2, Laina Snyder 5, Nina Rosemeyer, Lena Gohlisch 8/2, Wiebke Schwartau, Deeshyra Thomas 21.

SR: J.Ruprecht, R.Konopacki. Z: 845.

 

Fun Facts: Regan Schenck erzielt zum zweiten Mal hintereinander und zum dritten Mal in dieser Saison 11 Punkte, was auch ihr Bundesliga-Rekord ist. / Marburgs Saison wird zum dritten Mal hintereinander in Freiburg enden.

Fail Facts: Marburg bleibt im Jahr 2024 (tatsächlich seit dem 23. Dezember 2023) in sechs Versuchen ohne Heimsieg. / Marburg gewinnt von den letzten fünf Heimspielen zum vierten Mal das Rebound-Duell (diesmal 36:34) und verliert dennoch jedes Mal. / Marburg verliert zum ersten Mal an einem 3. März (Bilanz 3:1) und bleibt gegen Alba Berlin sieglos (0:4).

 

(von Marcus Richter)

 

Nächstes und letztes Saisonspiel:

Samstag, 09.03.2024, 19 Uhr, in Freiburg.