CEWL: Halbfinale gegen Gastgeber Brașov

„Wir dürfen nicht verkrampft sein, aber auch nicht zu locker“, sagt Marburgs Trainer vor dem CEWL-Halbfinale. Foto: Thomas Brüning

Motto: Kampf und Freude

CEWL-Europapokal: Final Four: Olimpia CSU Brașov – BC Pharmaserv Marburg (Samstag, 17.30 Uhr, Sporthalle „Dumitru Popescu Colibași“, Brașov).

Das wohl größte Abenteuer des Marburger Erstliga-Basketball-Teams in den vergangenen 25 Jahren steht bevor: 3 Spiele, 5 Tage, 3.500 Kilometer. Mit Kleinbussen geht’s am Freitag nach Nürnberg. Von dort aus fliegt das Pharmaserv-Team nach Sibiu in Rumänien und wird dann nach Brașov chauffiert. Dort wird die Krone in der Central Europe Women League ausgespielt.

Samstag:
15.30 Uhr: Halbfinale 1: CSM Satu Mare – CSU Alba Iulia
17.30 Uhr: Halbfinale 2: Olimpia CSU Brașov – BC Pharmaserv Marburg

Sonntag:
15.00 Uhr: Spiel um Platz 3: Verlierer der Halbfinals
17.00 Uhr: CEWL-Finale: Gewinner der Halbfinals
(Zeiten in MEZ).

Während die Marburgerinnen am vergangenen Wochenende die Bundesliga-Begegnung gegen den Tabellenvorletzten Göttingen gewannen (70:63), waren die drei anderen Teilnehmer an der CEWL-Endrunde im rumänischen Pokal-Top-8 aktiv. Marburgs erster Gegner Brașov (nach der Liga-Hauptrunde Tabellendritter von neun Teams) schied dabei – überraschend gegen den Tabellensiebten – ebenso im Viertelfinale aus wie Alba Iulia (Achter) gegen Satu Mare (Zweiter, 59:69). Die schlugen im Halbfinale im Duell der beiden Marburger CEWL-Vorrundengegner Arad (Sechster, 91:62), verloren aber das Finale gegen Ligaprimus Sfântu Gheorghe (48:62) – vor 2.500 Zuschauern, wie auf der Verbandswebseite zu lesen ist.

Was erwartet die Marburgerinnen? Robuste Rumäninnen! Laut Liga-Statistik rebounden die Olimpia-Spielerinnen etwas besser als die aus Satu Mare. Die wiederum hatten in dieser Kategorie in beiden Partien gegen das Pharmaserv-Team (71:54 und 84:71) leichte Vorteile. Die beste Rebounderin der Nationalliga spielt für gar Brașov: Kristina Higgins sammelt neben ihren 12,8 Punkten pro Spiel noch 13,3 Abpraller. Diese Zahl muss allerdings nicht erschrecken. In der rumänischen Liga scheint es generell mehr Rebounds zu geben als in der Bundesliga.

Erfolgreichste Schützin der Gastgeberinnen ist Aliyyah Handford mit 20 Punkten pro Partie. Biljana Pesovic steuert 14,4 Zähler bei, ist von der Dreierlinie gefährlich und mit Blick auf mehr als je fünf Rebounds und Korbvorlagen wohl eine der vielseitigeren Akteurinnen des Olimpia-Teams. Kurzfristig warb Brașov aus Alba Iulia noch die 1,91-Meter-Centerin Ana Radovic ab, die bei ihrem alten Verein für 13 Punkte und 8,4 Rebounds gut war.

Nach den Finalspielen am Sonntag, geht’s Montag zurück nach Nürnberg und von dort aus gen Wasserburg. Dort wird beim amtierenden Deutschen Meister und Pokalsieger am Dienstag, 19.30 Uhr, die Bundesliga-Partie des 20. Spieltages nachgeholt. Die TSV-Verantwortlichen waren so freundlich, dem BC dadurch die Reise zum Turnier in der 250.000-Einwohnerstadt in Siebenbürgen zu ermöglichen.

Der Trip zum CEWL-Final-Four wird nicht der weiteste in der Geschichte des Marburger Teams. Die Strecke zum Europapokal-Spiel am 03.11.1993 bei Bex Argentaria Madrid (38:97 verloren) war länger. Die komplette Reise mit dem Abstecher nach Wasserburg wird allerdings die längste und weiteste sein.

 

Brașovs Trainer, Dan Calancea, wird auf der Team-Webseite so zitiert: „Marburg hat ein solides Team. Die zwei Bronze-Medaillen bei letzten beiden deutschen Meisterschaften sagen viel aus. Sie haben einen sehr guten Trainer, der das Team seit 2013 mit Kontinuität zu hervorragenden Ergebnissen führt. Ich bin überzeugt, dass sie am Samstag ein starker Gegner sein werden. Bei uns dauert es eine Weile, Ana Radovic zu integrieren. Aber sie ist eine sehr erfahrene Spielerin. Ich bin davon überzeugt, dass sie uns zu positiven Ergebnissen verhelfen wird. Die CEWL ist ein wichtiger Wettbewerb. Die Trophäe hier in Brașov zu behalten, wäre ein außerordentlich positives Ergebnis.“

 

Fünf Fragen an BC-Trainer Patrick Unger:

Was weißt du über den Halbfinalgegner Brașov?
Patrick: Ich habe ein paar Spiele geschaut. Sie sind ganz gut, ähnlich wie Satu Mare veranlagt und gut gecoacht. Sie spielen sehr aggressiv und haben für in Aliyyah Handford eine Ausnahmespielerin. Sie werden hochmotiviert sein. Ich kenne die Assistenztrainerin ein wenig. Die rumänischen Teams sind alle sehr von sich überzeugt. Da können wir uns ruhig mal eine Scheibe von abschneiden.

Ist Brașov für dich Favorit?
Patrick: Vielleicht ein bisschen aufgrund des Heimvorteils. Und sie haben in der Liga ein Mal gegen Satu Mare gewonnen, gegen die wir in der Gruppenphase beide Spiele verloren haben. Wir hoffen, dass wir Brașov mit guter Intensität ärgern können. Dazu müssen wir als Kollektiv funktionieren. Der Fokus auf die wichtigen Dinge ist entscheidend. Wenn uns das gelingt, winkt das Finale.

Ihr wollt also ins Finale?
Patrick: Wir fahren natürlich hin, um zu gewinnen. Auch wenn manche sagen, die CEWL sei kein richtiger Wettbewerb – was ich gar nicht verstehe –, war es für uns international ein tolles Jahr bis hier hin. Das wollen wir natürlich krönen.

Und falls das nicht klappt?
Patrick: Dann nehmen wir die beiden Spiele als Erfahrung für die Bundesliga natürlich gerne mit. Wir sollten das Turnier aber auch genießen. Wer weiß, wie viele internationale Endrunden wir noch spielen dürfen in unseren Karrieren. Mein Motto für’s Wochenende: Kampf und Freude. Wir dürfen nicht verkrampft sein, aber auch nicht zu locker.

Finja Schaake kommt nicht mit?
Patrick: Sie hat am Dienstag Examen und bat mich deswegen, zu Hause bleiben zu dürfen, um zu lernen. Für sie geht es um das Leben nach dem Basketball, was leider ja in Deutschland sehr viel früher beginnt und wir leider finanziell auch nicht das leisten, was andere Länder in diesem Sport machen. Von daher hoffe ich, dass auch alle dafür Verständnis haben, dass sie nicht mit nach Rumänien kommt. Sie fährt aber am Dienstag direkt nach der Prüfung los, um in Wasserburg dabei zu sein.
(von Marcus Richter)