Heimsieg gegen Hannover

Ein merkwürdiges Spiel mit vielen Ungenauigkeiten fand im Pharmaserv Team um Alex Kiss-Rusk und Katie Yohn einen verdienten Sieger. Foto: Peter Voeth

Auch solche Spiele müssen gewonnen werden

Damen-Basketball-Bundesliga: BC Pharmaserv Marburg – TK Hannover 60:51.

Es war keine Glanzleistung, aber es hat gereicht: Mit dem zehnten Sieg am zehnten Spieltag bleibt das Pharmaserv-Team als einziges der Bundesliga ungeschlagen und weiter auf dem Spitzenplatz. Katie Yohn und Marie Bertholdt erhielten von ihrem Trainer ein Sonderlob. Ebenso Tonisha Baker für ihre Leistung in der Verteidigung.

Über weite Strecken der ersten Halbzeit lag der Tabellensechste aus Hannover vorn, weil er präsenter wirkte – und zunächst mit den Körben im Bunde stand. Der, auf den Marburg zuerst spielte, ließ den ganzen Abend über 48 Punkte zu, der andere 63. Mit einem Buzzerbeater zum Ende des ersten Viertels sorgte Paige Bradley zwar für die 16:15-Führung des BC, doch nach 20 Minuten lag der TKH mit 31:28 vorn.

Das Spiel bot mehrere kuriose Szenen. Ein Missverständnis bei Hannover sorgte dafür, dass der TKH kurz vor Ende des ersten Viertels viel zu früh einen Notwurf versuchte und Bradley dadurch erst die Chance zum letzten Korb des Abschnitts gab.

Obwohl der Schiedsrichter nach einer Auszeit vor dem Einwurf in Richtung des Marburger Korbs zeigte, schnappte sich BC-Spielerin Johanna Klug den Ball und warf ihn unbeanstandet von irgendjemandem zu Bradley ein, die dann zunächst Richtung des falschen Korbes dribbelte, bis sich alle verdutzt ansahen. Äh… irgendwas stimmt hier nicht. Und schließlich bekam Hannover auch seinen Einwurf.

Direkt nach dem Seitenwechsel holten sich die Niedersächsinnen ihre höchste Führung (34:28). Dann wachte das Pharmaserv langsam auf. Und auch das Publikum merkte: Da muss was passieren. Das half. Beim 40:38 (26. Minute) gab’s die Führung für die Hessinnen zurück. Dreieinhalb Minuten vor Schluss war sie erstmals zweistellig (59:49). Die Entscheidung.

 

Patrick Unger (Trainer Marburg):
„Wir haben am Anfang gleich drei offene Würfe verlegt. Das war ein bisschen bezeichnend und hat uns verunsichert. Katie Yohn ist ein gutes Beispiel, dass man sich da keinen Kopf machen, sondern einfach weiterspielen sollte. Sie haben es ja nicht verlernt. Anderen gelingt das nicht so gut. Hannover ist eins der defensiv besten Teams, hat uns viel weggenommen und versucht, das Spiel langsam zu machen. Auch solche Spiele müssen gewonnen werden. Aber unsere Leistung entspricht nicht unserem Anspruch. Erst im vierten Viertel haben wir gezeigt, mit wie viel Herz wir spielen können. Die Einstellung stimmte, jede hat dann noch einen Schritt mehr gemacht. Es fällt natürlich alles leichter, wenn man in der Liga noch nicht verloren hat. – Der Rückzug von Bad Aibling während der laufenden Saison ist bitter. Es ist schade um einen guten Standort. Aber die Sache wirft kein gutes Licht auf die Liga. Wir müssen uns mal Gedanken machen, wie wir den deutschen Damen-Basketball nach vorne bringen können.“

Katie Yohn (Topscorerin Marburg):
„Wir haben als Team eigentlich gut verteidigt, aber zu viele Offensiv-Rebounds zugelassen. Offensiv lief es bei uns nicht so gut wie sonst, aber wir haben engagiert weitergespielt. Wir sind ein mental starkes Team und haben uns nicht von manchen Widrigkeiten beeinflussen lassen.“

Birte Thimm (Kapitänin Hannover, 2014-2016 Marburg):
„Das Spiel war ein bisschen wie zuletzt gegen Herne: In der ersten Halbzeit haben wir das Spiel kontrolliert, in der zweiten Hälfte haben wir nur noch reagiert und nicht mehr agiert. Viele leichte Fehler haben sich summiert und wir haben uns zu leicht frustrieren lassen. Für das Pokalspiel nächste Woche wollen wir das mitnehmen, was in der ersten Halbzeit gut geklappt hat und daran arbeiten, was wir in der zweiten Hälfte falsch gemacht haben.“

Bildergalerie (Peter Voeth, Christoph Luchs)

Statisik
Viertel: 16:15, 12:16, 19:10, 13:10.
Marburg: Baker 5 Punkte (7 Rebounds, 4 Assists), Bertholdt 12/1 Dreier, Bradley 4 (3 Assists), Kiss-Rusk 5 (9 Reb.), Klug, Reeh (n.e.), Schaake 4, Sola (n.e.), Wagner 7, Wilke 4, Winterhoff (n.e.), Yohn 19/3.
Hannover: Brajkovic 2 (6 Reb.), Gobeljic 2, Gohlisch (n.e.), Henningsen 5/1, Mihalyi 3/1, Palmer 15/2 (9 Reb.), Peek, Tarasava 14/1 (7 Reb.), Thimm 6/2 (6 Reb.), Young 4.
SR: V.Steckas, P.Sobieszuk; Z: 475.

Fun Facts: 700. Bundesligaspiel seit dem Wiederaufstieg 1992 (Bilanz 376:223, 1 Untentschieden). – 10. Bundesligasieg am 10. Spieltag stellt Marburgs Start-Rekord und längste Siegesserie in der Bundesliga-Hauptrunde überhaupt aus dem Jahr 2010 ein (auch wenn der Sieg 2018 gegen Bad Aibling durch deren Rückzug nicht mehr in der Tabelle steht). – 60:51 sind die wenigsten erzielten und zugelassene Punkte gegen Hannover. – Bilanz zu Hause gegen Hannover 3:0. – 60 erzielte Punkte sind die wenigsten für einen Sieg seit 31.01.2015 (54:47 n.V. gegen Freiburg, 46:46). – 51 zugelassene Punkte sind die wenigsten in der Bundesliga seit 17.01.2016 (85:44 gegen Oberhausen). – 111 ist die geringste Punktsumme beider Teams in einem Spiel seit 06.02.2016 (105, 51:54 in Herne) und zu Hause seit 31.01.2015 (101, 54:47 n.V. gegen Freiburg, 46:46). – Katie Yohn erzielt ihren 200. Dreier in der Hauptrunde für Marburg im 74. Spiel. Damit ist sie die Zweite und die Schnellste in der Team-Historie (Amanda Davidson, 14.01.2012 im 98. Spiel).

Fail Facts: 30 Fehlwürfe aus der Zweier-Distanz sind die meisten seit 08.04.2018 (31 in Bad Aibling). – 4 Dreier sind die wenigsten zu Hause seit 10.03.2018 (4 gegen Herne). – 32,3 Feldwurfquote ist die niedrigste in der Bundesliga seit 25.11.2017 (31,6 in Herne).

  • Nächstes Spiel: Sonntag, 9. Dezember, 16 Uhr, Pokalspiel beim TK Hannover (Sporthalle Birkenstraße).

(von Marcus Richter)

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