Bericht über den Länderspieltag

Grund zum Jubeln hatte Deuschlands Nationalmannschaft um BC-Spielerin Marie Bertholdt (vorne) beim Länderspiel in Marburg. Trotz der Niederlage gegen Belgien. Foto: Christoph Luchs

Emotionen und ganz viel Spaß

EM-Qualifikation: Deutschland – Belgien 58:77.

Deutschland fährt nicht zur EM 2019. Das war allerdings auch vor dem Spiel in Marburg schon so gut wie klar. Ein nötiger Sieg gegen den WM-Vierten Belgien mit mehr als 43 Punkten Differenz, dank des Hinspiel-Debakels, wäre mehr als eine riesen Sensation gewesen.

Eine kleine Sensation waren aber schon die ersten rund 26 Minuten. Die deutschen Damen um Bundestrainer Patrick Unger spielten frech auf und führten nach dem ersten Viertel mit 22:16. Bis zum 41:43 blieb die Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) vor 1.000 begeisterten Zuschauern dran und vergab mehrere Möglichkeiten zum Ausgleich.

Dann setzte sich die Erfahrung der Belgierinnen durch, die ihre größte Führung erst durch einen Dreier in der Schlusssekunde verbuchten. Die Stimmung im Publikum trübte das indes nicht. Besonders die rund 100 Teilnehmer am DBB-Minifestival feierten und tanzten. Auch die Marie-Bertholdt-Fangirls verbreiteten gute Stimmung.

Die EM-Qualifikation endet für Deutschland am Mittwoch, 21. November, in der Lindenhalle in Wolfenbüttel. Gegner ist ab 19.30 Uhr die Schweiz. Das Hinspiel gewann Deutschland mit 56:54.

Vor dem Spiel in der Georg-Gaßmann-Halle waren die gebürtige Marburgerin Finja Schaake, Ex-BC-Spielerin Svenja Greunke sowie Kapitänin Svenja Brunckhorst und Sonja Greinacher vom DBB-Präsidium für ihr 50. Länderspiel geehrt worden.

In den Pausen wurden die Viertplatzierten bei der U23-3×3-WM ausgezeichnet (mit Ex-Marburgerin Luana Rodefeld) sowie die U18-Europameisterinnen (um Co-Trainerin Aleks Heuser), die zuvor in der Halle ein Testspiel absolviert hatten.

 

Patrick Unger (Marburg/Debüt als Bundestrainer):
„Die Zukunft sieht rosig aus. Aber wir müssen uns auch mit der Gegenwart beschäftigen. Belgien spielt seit Jahren zusammen, Emma Meesseman ist eine der besten Spielerinnen der Welt. Aber es muss unsere Mentalität werden, dass wir physisch spielen, egal gegen wen. Es war schon okay, vor allem, wie druckvoll wir gegen den Ball verteidigt haben. Aber wir müssen noch besser am Brett arbeiten. Minus 19 ist ein bisschen zu hoch ausgefallen, am Ende sind uns die Körner ausgegangen. Aber man sieht, dass es viele gibt, die für den deutschen Damenbasketball alles geben. Leonie Fiebich hat mir zum Beispiel sehr gut gefallen, und das in ihrem ersten Länderspiel. Für uns Marburger war es natürlich toll: ausverkauftes Haus, tolle Stimmung, was war cool – und ging eigentlich zu schnell vorbei. Jetzt wollen wir sehen, dass wir den nächsten Schritt machen und gegen die Schweiz ein gutes Spiel zeigen.“

Marie Bertholdt (Marburg/9. Länderspiel):
„Es war cool, in Marburg zu spielen, vor so vielen Leuten und Bekannten. In der ersten Halbzeit haben wir gut gekämpft. Für 20 bis 25 Minuten waren wir aggressiv und hatten keine Angst. Aber Belgien ist eine gute und erfahrene Mannschaft, das hat sich dann im Verlauf des Spiels gezeigt. Wir haben kleine Dinge im Ansatz richtig gemacht, dürfen aber nicht allein damit zufrieden sein. Insgesamt war es aber ein positives Erlebnis.“

Finja Schaake (Marburg/54. Länderspiel):
„Es war ein sehr aufregendes und emotionales Ereignis für mich: zuerst die Ehrung und dann vor so einer tollen Kulisse zu spielen. Es hat viel Spaß gemacht. Dass wir in der ersten Halbzeit so gut spielen würden, damit hatte wohl keiner gerechnet. Schade, dass uns am Ende der lange Atem gefehlt hat. Wenn man vorher gesagt hätte, wir verlieren mit 19, wären viele wohl zufrieden gewesen. Aber das Ergebnis passt von der Höhe her nicht zum Spiel. Es war absoluter Wahnsinn, dass die Halle so voll war. Das spiegelt den Basketball-Standort Marburg wider. Die Begeisterung ist da.“

Steffi Wagner (Marburg/83. Länderspiel):
„Es war eine super Stimmung in der Halle. Ich habe ja vor drei Jahren schon mal hier mit der Nationalmannschaft gespielt. Jetzt vor den eigenen Fans und Mannschaftskolleginnen zu spielen, war schon Wahnsinn. Wir hatten einen super Start und haben Belgien vielleicht ein bisschen überrascht. Aber sie haben Topspielerinnen und die haben in der zweiten Halbzeit ihre Klasse gezeigt. Wir haben ein bisschen nachgelassen. Das Ergebnis ist einen Ticken zu hoch ausgefallen. Aber es überwiegt das Positive.“

Alex Wilke (Marburg/9. Länderspiel):
„In der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt, mit viel Intensität und ohne Angst. Daran wollten wir nach der Pause anknüpfen. Aber dann haben wir einige Würfe nicht getroffen. Wir dürfen da nicht so viel Respekt zeigen. Mit 19 Punkten zu verlieren, hätte nicht sein müssen. Hier in Marburg zu spielen, war cool und hat mega Spaß gemacht.“

 

Statistik
Viertel: 22:16, 11:21, 10:17, 15:23.
Deutschland: M.Bertholdt 2 Punkte, L.Brodersen, S.Brunckhorst 5, A.Degbeon 5, L.Fiebich 9/1 Dreier, S.Greinacher 12, S.Greunke 5, M.Gülich 2, F.Schaake 4, E.Stach 11/3 (7 Rebounds, 6 Assists), S.Wagner, A.Wilke 3/1 (3 Ass.).
Belgien: M.Capreaux 4 (3 Ass.), A.Delaere 6, S.Geldorf (n.e.), K.Linskens 7 (9 Reb., 5 Ass.), E.Meesseman 28 (3 Ass., 3 Steals), H.Mestdagh 11/3, K.Mestdagh 17/3 (9 Reb., 4 Ass.), H.Nahwezhi-Bende (n.e.), H.Nauwelaers, J.Raman 4, L.Reismont, J.Vanloo.
SR: J.Juras, M.Cavara, S.Marziali; TK: A.Muir. Z: 1.000.

Bildergalerie (Christoph Luchs, Peter Voeth)

Bildergalerie (Fiba/DBB: Peter Voeth)

 

U18-Testspiel: Deutschland – Tschechien 54:48.

Vor etwa 300 Zuschauern in Marburg brauchten Deutschlands U18-Mädchen eine Weile, um ins Spiel zu finden. Klar, denn der Europameister befindet sich im Umbruch. Immerhin vier der Gold-Mädels liefen in der Georg-Gaßmann-Halle auf (eine später im Damen-Länderspiel). Nach 30 Minuten noch mit 39:44 im Rückstand, drehten die deutschen Mädchen die Partie in den Schlussminuten. Ausschlaggebend war die klare Überlegenheit des DBB-Teams im Rebound (48:28) und eine überragende Europameisterin Emily Bessoir. Marie Reichert, Spielerin des Team Mittelhessen (Grünberg/Marburg), sammelte acht Punkte und neun Rebounds.

Statistik
Viertel: 8:10, 17:16, 14:18, 15:4.
Deutschland: E.Bessoir 21 Punkte/3 Dreier (10 Reb., 3 Ass.), P.Egharevba, J.Förner (5 Ass., 3 Steals), M.Kleine-Beek 3, A.Kröner, M.Landwehr 13 (8 Reb.), P.Mayer, L.Nufer 2, S.Polleros 3, M.Reichert 8 (9 Reb.), L.Stach, E.Tenbrock 4.
Tschechien: A.Burtova 6, B.Buskova 2, T.Halatkova 8, E.Halova, E.Hamzova 6/1 (6 St., 4 Blocks), K.Holubcova 2 (4 St.), S.Kocourkova, T.Kralova 13/2, A.Ondrouskova 8/2, A.Patorkova 1, L.Semgady 2, S.Vadlejchova.
SR: A.Werner, S.Knittel; Z: 300.

(von Marcus Richter)