Heimniederlage gegen Keltern

Duell der Kanadierinnen: Alex Kiss-Rusk (blau) gewann für Marburg den Sprungball, Kimberley Pierre-Louis (4) dagegen das interne Duell mit 28:15 Punkten und mit ihrem Team auch die Partie. Foto: Peter Voeth

Das positive Gefühl überwiegt

Damen-Basketball-Bundesliga: BC Pharmaserv Marburg – Rutronik Stars Keltern 57:73.

Das Basketballjahr ist rum, Marburgs Siegesserie auf nationaler Ebene auch. Nach perfekter Hinserie verlor das Pharmaserv-Team zum Rückrunden-Auftakt in eigener Halle gegen den Deutschen Meister klar. Viel klarer, als die Partie tatsächlich war. Erst in den letzten vier Minuten schnürte Keltern den Hessinnen ein dickes Päckchen. Marburg feiert Weihnachten dennoch als Spitzenreiter. BC-Vizepräsident Jan-Bernd Röllmann brachte es auf den Punkt: „Hier braucht niemand mit hängenden Köpfen nach Hause gehen.“

Tabellenführer gegen Titelverteidiger. Das versprach Spannung. Die gab’s auch. Bis kurz vor Schluss. Das Spiel wogte hin und her: 10:13 (8. Minute), 19:13 (9.), 23:30 (13.), 37:34 zur Halbzeit. Mitte des dritten Viertels baute Marburg seine Führung auf 51:42 aus (27.) und hatte mehrfach die Chance, diese zweistellig zu gestalten. Doch, so aufmerksam die Gastgeberinnen um Tonisha Baker, Marie Bertholdt und Alex Kiss-Rusk in dieser Phase verteidigten, so schlampig spielten sie nach vorne. Mehrere Angriffe brachten sie nicht mal zu Abschluss.

Das bestrafte der Meister eiskalt. Kimberley Pierre-Louis war sowieso nicht zu halten. Jetzt drehten auch noch Jasmine Thomas und Emma Stach auf. Und plötztlich führten die Gäste mit 58:54 (34.). Dem ging unmittelbar eine knifflige Situation voraus: Statt zwei Freiwürfen, die der BC sich in vorweihnachtlichem Geiste wünschte, gab’s Sekunden später ein Unsportliches Foul gegen Marburg. Daraus resultierten vier Punkte.

Das Pharmaserv-Team kam zwar noch einmal auf 57:58 heran. Doch in den letzten vier Minuten gelang gegen die Gäste-Defense kein einziger Punkt mehr, im letzten Viertel überhaupt keiner aus dem Feld: elf Versuche, null Treffer, dazu sieben Ballverluste – und im ganzen Spiel nur ein Dreier. Keltern beendete die Partie mit einem meisterlichen 15:0-Lauf und gewann auch den direkten Vergleich.

 

Patrick Unger (Trainer Marburg):
„In der ersten Halbzeit hatten alle ihre guten Momente in Defense und Offense. Im vierten Viertel haben wir ein paar offene Würfe nicht getroffen und so das Selbstvertrauen verloren. Da haben wir versucht, Hero-Ball [sprich: den Helden] zu spielen, anstatt es als Team zu lösen. Vier eigene Punkte sind da nicht gut, aber wir dürfen keine 25 zulassen! Da müssen wir ansetzen. Keltern hat den Druck 40 Minuten lang aufrechterhalten, wir nicht und dazu noch dumme Fehler gemacht. Das positive Gefühl überwiegt aber. Wir haben insgesamt einen großen Schritt gemacht. Heute haben wir mit Keltern nicht nur lange Zeit auf Augenhöhe gespielt, sondern waren über 27 Minuten das bessere Team. Wir müssen sehen, dass wir das 40 Minuten lang schaffen. Dann kann es für uns auch im Pokalspiel klappen. Um ein richtiges Spitzen-Team zu sein, haben wir noch viel Arbeit vor uns.“

Steffi Wagner (Spielerin Marburg):
„Wir hatten immer wieder Phasen, in denen wir blöde Fehler gemacht haben, sind da aber auch immer wieder rausgekommen. Im vierten Viertel konnten wir mental nicht mehr dagegenhalten. Wir müssen konzentrierter von hinten nach vorne spielen. Da gab es immer wieder ein paar Abstimmungsprobleme und wir haben es ein bisschen versucht zu forcieren. Jetzt erst die erste Niederlage in der Liga zu bekommen, bricht uns keinen Zacken raus. Wir sind ein gutes Team und können beim Pokalspiel in Keltern zeigen, dass wir es besser können, als wir es heute gezeigt haben.“

Christian Hergenröther (Trainer Keltern):
„Marburg hat ein eingespieltes Team, gegen die ist es immer schwer. Aber heute haben sie zu wenige Dreier getroffen. Und sie haben Kimberley Pierre-Louis machen lassen, sie war sehr stark. Im dritten Viertel konnte Marburg seinen Vorsprung nicht weiter ausbauen. Wir sind drangeblieben und hatten hinten raus vielleicht ein bisschen mehr Körner. Jetzt ist es wichtig, dass wir unsere Körper ausruhen und auch mental wieder frisch werden. Am 2. Januar geht’s bei uns weiter. Das Pokalspiel wird ein ganz neues Spiel.“

Bildergalerie (Peter Voeth)

Statistik
Viertel: 21:16, 16:18, 16:14, 4:25.
Marburg: Baker 4 Punkte (4 Steals), Bertholdt 12/1 Dreier, Bradley 4, Kiss-Rusk 15 (8 Rebounds), Klug, Reeh, Schaake 6, Sola (n.e.), Wagner 1, Wilke 5, Yohn 6 (6 Reb., 3 Assists).
Keltern: Kalu 7/1 (3 Ass., 4 St.), Kvederaviciute 4, Markovic, Pierre-Louis 28 (11 Reb, 3 St.), Pikciute 2, Pudlakova 3/1, Rakovic 7/1, Schüler, Stach 12 (4 Ass.), Thomas 10 (8 Reb., 4 Ass.), Tudanca.
SR: Saeidi, Damm; SR: 600.

Fun Fact: Marburg geht als Tabellenführer ins neue Jahr (zum zweiten Mal nach 2010).

Fail Facts: Erste Heimniederlage und in der Liga meiste Ballverluste (22) seit 20.04.2018 (62:72 gegen Keltern, 23). / -16 ist die höchste der vier Heimniederlagen gegen Keltern. / 57 erzielte Punkte sind die wenigsten in einem Heimspiel auf nationaler Ebene seit 19.11.2017 (52:76-Niederlage gegen Wasserburg). / 20 erzielte Punkte in der zweiten Halbzeit sind die wenigsten in einem Heimspiel seit 31.01.2015 (20:22 gegen Freiburg, 54:47-Sieg n.V.). / 4 erzielte Punkte und -21 Punkte im vierten Viertel sind jeweils die schlechtesten Werte seit dem Wiederaufstieg 1992. / 1 erzielter Dreier in einem Bundesliga-Heimspiel sind die wenigsten seit 16.11.2013 (77:69-Sieg gegen Freiburg, den Dreier erzielte damals Finja Schaake).

Nächstes Spiel:
Deutscher Pokal, Viertelfinale: Rutronik Stars Keltern – BC Pharmaserv Marburg (Sonntag, 6. Januar, 16 Uhr, Schulzentrum Dietlingen).

(von Marcus Richter)