Playoffs: Marburg steht im Halbfinale

Das Pharmaserv-Team steht nach einem Sieg beim TK Hannover im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Foto: Thomas Brüning

Die Maschine bleibt am Sonntag aus

Damen-Basketball-Bundesliga: Playoff-Viertelfinale, Spiel 2:
TK Hannover – BC Pharmaserv Marburg 68:88 (Serie „Best of three“ 0:2).

Der BC Pharmaserv Marburg steht zum vierten Mal hintereinander im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Nach dem deutlichen 90:69-Sieg im ersten Spiel gegen den TK Hannover siegten die Hessinnen nun auch auswärts. Zur Halbzeit noch im Hintertreffen, entschied der Tabellendritte nach der Hauptrunde die Partie ab der Endphase des dritten Viertels. Marburgs Marie Bertholdt war mit 26 Punkten und 12 Rebounds die effektivste Spielerin auf dem Parkett.

Die ersten 28 Minuten verliefen ausgeglichen. Ein typischer Playoff-Fight, eben. Marburg lag mit 20:14 vorn (7. Minute), weil die Rebounds meist bei den Frauen in Blau landeten. Hannover ließ sich aber nicht abschütteln, setzte dabei meist auf Einzelaktionen und gewann die Hoheit unter den Körben. Das brachte dem TKH die 41:38-Halbzeit-Führung. Beim 51:50 (28.) lagen die Gastgeberinnen zum letzten Mal vorn.

Eine Minute später der erste Fingerzeig: Ein Dreierversuch von Marburgs Katie Yohn fliegt vom Ring nach oben ans Brett, wieder runter auf den Ring, nochmal ans Brett und kullert dann rein. 58:51. Selbst ein Buzzerbeater von Hannovers Lena Gohlisch mit der Viertelsirene und die Pause konnten die Marburgerinnen unter dem Jubel der gut 20 mitgereisten BC-Anhänger nicht mehr stoppen.

Ein 8:0-Lauf, mit einem geblockten Wurf – Alex Kiss-Rusk gegen Ivana Brajkovic – als nächstem Spoiler-Alarm, sorgte für das 68:54 (34.). Nachdem Hannovers Topscorerin Haiden Palmer mit fünf Fouls ausschied, der TKH seine letzte Auszeit nahm und bei einem Dreierversuch von Marburgs Ex-Kapitänin Birte Thimm sich der Ball nach langem Überlegen entschied, nicht durch die Reuse zu fallen, war dreieinhalb Minuten vor Ende (59:77) klar: Das war’s!

Gegner des BC im Semifinale sind wieder einmal die Rutronik Stars Keltern. Der Deutsche Meister setzte sich ebenfalls mit 2:0 Siegen gegen die Flippo Baskets Göttingen durch.

 

Patrick Unger (Trainer Marburg):
„Leider lag Steffi Wagner mit Fieber im Bett. So mussten wir in der Rotation etwas ändern. Vor allem auf den großen Positionen hat sie uns gefehlt. Aber alle haben heute ihren Job gut gemacht. Hannover hat in der ersten Halbzeit sehr intensiv gespielt und viel besser als im ersten Spiel. Wir haben uns ein bisschen den Schneid abkaufen lassen. In die zweite Halbzeit wollten wir mit mehr Energie gehen und härter verteidigen, im Eins-gegen-eins und als Team. So haben wir schwere Würfe erzwungen und weil wir die Rebounds kontrolliert haben, konnten wir uns absetzen. Hannover ist dann auch ein bisschen die Puste ausgegangen. Defensiv war das eine grandiose zweite Halbzeit. Joey Klug hat super verteidigt und auch offensiv Akzente gesetzt. Wir freuen uns auf ein freies Wochenende und bereiten uns dann auf Keltern vor. Ich freue mich darauf, gegen den Deutschen Meister zu spielen. Die sind definitiv Favorit. Sie haben eine grandiose Rückrunde gespielt und haben zu Recht den Heimvorteil. Mal schauen, ob wir sie ein bisschen ärgern können.“

Marie Bertholdt (Topscorerin Marburg):
„Hannover hat von Anfang an gezeigt, dass sie mit dem Rücken zur Wand stehen und gewinnen müssen. Sie waren aggressiver und unsere Defense war nicht gut. In der Halbzeitpause haben wir gesagt: Wenn wir ein paar defensive Stopps kriegen, dann kommen wir auch weg, denn offensiv lief es ja gut. Wir haben uns dann auch defensiv gesteigert, in der Team-Defense und im Eins-gegen-eins. So haben wir Ballgewinne und Rebounds bekommen. Und jeder Fehlwurf von Hannover hat uns eine extra Motivation gegeben. Wir wussten, dass wenn wir bis zur letzten Sekunde nicht nachlassen und rennen, gewinnen wir das Spiel. Das ist unsere Mentalität und dafür haben wir uns im Training auch die Kondition erarbeitet. Ich freue mich, dass wir am Sonntag nicht mehr spielen müssen, denn so kann ich nach Heidelberg zum Geburtstag meiner Oma fahren.“

Dorothea Richter-Horstmann (Trainerin Hannover):
„Nach der Halbzeitpause hat Marburg viel Druck gemacht. Dem konnten wir irgendwann nicht mehr standhalten. Marburg hat immer einen Schritt mehr gemacht, wir sind immer einen Schritt zurückgewichen. Die logische Folge war, dass Marburg zu alter Stärke gefunden hat. Wir konnten den Fastbreak wieder nicht stoppen. Ich glaube, es lag auch an der Psyche. Wir waren dann auch unsicher im Abschluss. Und es ist typisch für Marburg: Die lassen sich nicht unterkriegen. Wenn die ins Laufen kommen, dann ist das wie eine Maschine. Aber dafür waren sie auch nach der Hauptrunde Dritter und wir nur Sechster.“

 

Statistik
Viertel: 22:23, 19:15, 13:22, 14:28.
Hannover: Brajkovic 8, Gobeljic 8/1 (6 Rebounds), Gohlisch 10/2, Henningsen, Mihalyi 2, Palmer 17/1, Peek 3, Stammberger, Tarasava 12, Thimm 2, Tzokov (n.e.), Young 6
Marburg: Baker 10 (5 Assists, 3 Steals), Bertholdt 26 (12 Reb.), Bradley 9 (4 Ass.), Kiss-Rusk 15/1 (6 Reb.), Klug 5, Schaake 6, Reeh 2, Sola, Wilke 7, Winterhoff, Yohn 8/1 (6 Reb.)
SR: A.Rogic, H.Lohmüller.

 

Fun Facts: Zum ersten Mal seit 2012 (also unter Trainer Unger) gewinnt Marburg eine Viertelfinal-Serie in zwei Spielen (damals gegen Oberhausen). / Zum ersten Mal als BC (alle) fünf Spiele in einer Saison gegen eine Mannschaft gewonnen, drei davon auswärts. Als VfL schaffte die Mannschaft das in der ersten Saison nach dem Wiederaufstieg 1992/93 einmal (gegen TV Bensberg: 1x Pokal, 2x Hauptrunde, 2x Abstiegsrunde), allerdings mit nur zwei Auswärtssiegen. / +14 ist das beste letzte Viertel auswärts seit 18.02.2017 (+15 in Rotenburg/S., 80:65-Sieg). / 26 Punkte von Marie Bertholdt sind die meisten in einem Playoff-Viertelfinal-Spiel für Marburg seit 15.02.1998 (30, Michelle Hendry, Spiel 1 in Würzburg, 68:51-Sieg), also Bestleistung in einem Viertelfinal-Spiel 2. / 150. Bundesliga-Spiel von Tonisha Baker (Platz 12 in der Team-Rangliste).

Fail Facts: Vier Teamfouls im dritten Viertel binnen einer Minute (28.). / 2 von 12 (16,7 Prozent) ist die schwächste Dreierquote in einem Auswärtsspiel seit 29.04.2018 (60:78-Niederlage in Herne).

Playoff-Viertelfinale (Best of three):

Spiel 1: BC Pharmaserv Marburg – TK Hannover 90:69
Spiel 2: TK Hannover – BC Pharmaserv Marburg 68:88 (Marburg gewinnt Serie 2:0)

Die weiteren Duelle:
Eisvögel USC Freiburg – TSV 1880 Wasserburg 73:66 (Serie 1:1)
Eintracht Braunschweig – Herner TC 56:57 (Herne gewinnt 2:0)
Flippo Baskets Göttingen – Rutronik Stars Keltern 52:62 (Keltern gewinnt 2:0)

 

Playoff-Halbfinale (Best of three):

Spiel 1: Sonntag, 14. April: Rutronik Stars Keltern – BC Pharmaserv Marburg
Spiel 2: Mittwoch, 17. April: BC Pharmaserv Marburg – Rutronik Stars Keltern
Spiel 3: Ostersonntag, 21. April: Rutronik Stars Keltern – BC Pharmaserv Marburg (falls nötig)

 

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(von Marcus Richter)